Nachrichten vom PMG

Geschichte hautnah erleben

 

von Katja Csuk

 

Dass Geschichte durchaus spannend sein kann und wie gut Vorträge über die damalige innerdeutsche Grenze auch auf Englisch klingen, durften wir, der Kurs 11/2 des Philipp-Melanchthon- Gymnasiums Schmalkalden, am Freitag, dem 4. April, erleben. 

 

Als eine von drei Schülergruppen hatten wir die große Ehre, an der bereits zum fünften Mal stattfindenden deutsch-amerikanischen Schülerbegegnung auf Point Alpha teilzunehmen. Diese war anlässlich des 24. Jahrestages der letzten US-Patrouille auf dem ehemaligen Beobachtungsstützpunkt organisiert wurden und sollte uns Schülern die Geschehnisse während des Kalten Krieges ins Bewusstsein rufen.

 

Zur Symbolisierung der sich damals gegenüberstehenden Nationen waren wir als Vertretung der Beteiligung der DDR, eine Klasse der Lichtbergschule Eiterfelds als Repräsentant des westdeutschen Einflusses und amerikanische Schüler der Wiesbaden Highschool zur Verkörperung des Zutuns der US-Army eingeladen, den Tag gemeinsam auf der Gedenkstätte zu verbringen.

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Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch eine Flaggenzeremonie, an die sich die Begrüßung durch Volker Bausch, den Direktor der Point Alpha Stiftung, eine Führung und anregende Gespräche mit den geladenen Zeitzeugen anschlossen.

 

Die Erklärungen unserer Gästeführerin und die Erzählungen zweier damals am Beobachtungsstützpunkt stationierter US-Soldaten, Mr. Steven Steininger, USFLO Rheinland-Pfalz & Saarland, und retired LTC und CSM ret. Vern H. Croley, waren überwiegend auf Englisch, da die Schüler und Schülerinnen der Wiesbaden Highschool nahezu kein Wort Deutsch sprachen und verstanden. Sie stammen aus Amerika, wohnen jetzt für ein paar Jahre in Deutschland, während ihre Eltern als Soldaten hier stationiert sind.

 

Somit lauschten wir nicht nur spannenden, schockierenden, aber manchmal auch sehr lustigen Anekdoten aus der Zeit der deutschen Teilung, sondern konnten gleichzeitig auch unsere Englischkenntnisse verbessern und ausbauen.

 

Die Zeitzeugen, unter anderem Klaus Tiller,  ehemaliger Sozialarbeiter der katholischen Kirche in der DDR und Mitinitiator der Montagsdemonstrationen 1989 in Geisa, und Herr Berthold Jost, ehemaliger Bürgermeister der hessischen Grenzgemeinde Rasdorf, brachten uns ihre teilweise sehr bedrückenden Erlebnisse während der deutschen Teilung näher. So erfuhren wir aus erster Hand wichtige Fakten über die gewaltigen Probleme, die das System der Deutschen Demokratischen Republik mit sich brachte und die schlussendlich zum Fall der Mauer führten, über die Sicht der damaligen BRD-Bürger auf die Geschehnisse und über die Arbeitsweise und Aufgaben der amerikanischen Soldaten.

 

Wir sahen den „Schutzzaun“ der ostdeutschen Grenzanlage, der in den 1970er Jahren zusätzlich durch tödliche Selbstschussanlagen gesichert war, und stiegen hinauf in den Beobachtungsturm, von dem aus man weit in die Landschaft sehen kann. Auch hörten wir die Geschichte über das Birkenkreuz, das von der Jungen Union Rasdorfs zum Gedenken an einen totgeglaubten Flüchtling aus dem Osten aufgestellt wurde, der bei seinem Fluchtversuch am 24. Dezember 1975 von elf Splittern der Selbstschussanlagen schwer verletzt wurde und anscheinend leblos am Boden liegen blieb. Man berichtete uns, wie furchtbar es gewesen sei, Zeuge dieses Mordes zu sein und einfach nichts tun zu können. Dafür war die Freude umso größer, als sich nach über zwanzig Jahren herausstellte, dass der Flüchtling überlebt hatte. Heute steht das Birkenkreuz stellvertretend als Gedenkort für alle an der innerdeutschen Grenze und der Berliner Mauer Gefallenen.

 

Nach den Zeitzeugengesprächen und einer kurzen Mittagspause stellten die drei Schülergruppen ihre Schule durch jeweilige Vertreter auf Englisch vor. In diesem Rahmen zeigte unter anderem einer der amerikanischen Schüler sein Können im Jonglieren mit einer Waffe, was so manch einen von uns doch sehr irritierte.

 

Danach bestand die Möglichkeit, einander Fragen zu stellen. Die Diskussion wurde geleitet durch Herrn Bausch und Mr. Jeffrey M. Hill vom American Consulate Frankfurt.

 

Ob wir glaubten, die NSA-Affäre hätte die Freundschaft zwischen Deutschland und Amerika gestört, lautete eine Frage eines amerikanischen Schülers oder ob wir eine Möglichkeit sehen würden, dass die Krimkrise die Beziehung unserer Staaten wieder stärken könne.

 

Doch nicht nur wir waren gefragt, auch die amerikanischen Schüler standen Rede und Antwort.

 

Besonders gerne äußerten sie sich zu der Erkundigung, ob ihre Heimat eher in Deutschland oder in den USA liege. Die Auskunft war einstimmig. Mit Lobeshymnen auf die deutsche Freundlichkeit und die Unterstützung, die sie hier gefunden hätten, versicherten sie, sich nirgends so zuhause zu fühlen wie in unserem Land.

 

Mit diesen netten Worten, durch die die meisten von uns sich sehr geschmeichelt fühlten, endete ein sehr interessanter Tag, der uns nicht nur die Zeit der deutschen Teilung nahe gebracht hat, sondern auch zeigte, dass Amerikaner und Deutsche vielleicht unterschiedlich sein mögen, durch eine gepflegte Beziehung gemeinsam aber viel erreichen können. 

   
© Philipp-Melanchthon-Gymnasium