Nachrichten vom PMG

LONDON 2014

 

Liebes Tagebuch,                                                               Montag, 7. Juli – 14:32 Uhr

 

heute Abend wird unser gesamter Jahrgang nach England fahren, in das Vereinigte Königreich.

Mich erwartet wahrscheinlich nichts Gutes, denn die Informationen, die sich die meisten von ihren Freunden aus anderen Schulen besorgt haben, welche ebenfalls nach London gereist sind, sprachen mehr als nur gegen eine Unterbringung in Gastfamilien.

 

 

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Berichtet wurde von Toiletten im Garten, Schimmel im Schlafzimmer und auf dem Frühstücksapfel und vor allem von deutlichen Gewichtsverlusten der Reiseteilnehmer… Zudem wurde über teures Essen geschimpft und sich über die fehlende Freizeit beklagt. Unser Plan für diese 3,5 Tage schien auch recht pausenlos.

Was wünscht man sich also mehr als mit miesen Vorahnungen und riesigem Respekt vor einem fremden Land in knapp 8 Stunden in einen Bus zu steigen und quasi ins Ungewisse zu fahren?

 

Daily log 1 – Tuesday

Es ist jetzt genau 03:00Uhr morgens. Wir sitzen seit 4 Stunden im Bus und bis jetzt hat noch niemand auch nur für zehn Minuten ein Auge zu gemacht. Da wir in zwei Busse aufgeteilt wurden und „Bus 1“ eine andere Strecke fährt als wir, haben wir uns seit dem Treffen an Haltestelle 3 des PMGs nicht mehr gesehen…Zudem sind wir im Moment wahrscheinlich zeitlich hinter den anderen, da unser Chauffeur wohl anfänglich einige Schwierigkeiten mit dem Navigationssystem hatte.

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Mittagszeit in England:

Nachdem Einige schon bei der Abfahrt in Calais halb über der Reling hingen, da sie nicht auf die Fähre vorbereitet und somit der Schiffskrankheit unterlegen waren, besserte sich die Lage schnell bei der Ankunft in Dover. So wie auch das Wetter strahlten dann 80 Schüler dem irritierenden Linksverkehr entgegen.

Nun sind wir jedoch schon an unserer ersten Station: die Besichtigung des Canterbury Castle und der Kleinstadt Canterbury. Dort empfingen uns kleine verwinkelte Gässchen, eine geschmückte Festung und viele winzige Läden, die alle etwas Besonderes an sich hatten.

Hier ist alles noch urig und genau so wie man sich aus den Harry-Potter-Filmen eine Kleinstadt nahe London vorstellt.

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Doch je weiter wir jetzt Richtung London City fahren und die wirklichen Vororte der Metropole zu Gesicht bekommen, schwinden allmählich unsere Vorstellungen, die mittlerweile zu Erwartungen aufgestiegen sind. Wir sehen zunehmend graue Städtchen und eng befahrene Straßen. Ein Wirrwarr aus Autos hält auch uns auf und trennt uns zeitlich vom ersten Zusammentreffen mit den Gastfamilien. Doch gegen 18:00 Uhr werden dann alle Gruppen Stück für Stück von ihren Gasteltern in Empfang genommen.

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Als wir vor zwei Stunden unser erstes englisches Abendessen zu uns nahmen, welches wider unseren Erwartungen doch sehr gelungen war, ahnten wir schon, was für eine liebenswerte Frau unsere Gastmutter ist. Sie gab sich zu der Zeit schon große Mühe mit uns und ihrem Englisch, versuchte uns alles zu erklären und Fragen zu beantworten. Nun sitzen wir gemeinsam auf der Couch und verfolgen gespannt das Halbfinalspiel, doch sind Julia, Luise und ich auf der Seite der Deutschen, während Carline die Brasilianer unterstützt. Diese Gegebenheit führt nun auch zu einigen witzigen Auseinandersetzungen und ich befürchte schon, dass es noch ein langer Abend werden wird.

Daily log 2 – Wednesday

Nach einer sehr kurzen Nacht sind wir am Mittwochmorgen um 6:00 Uhr aufgestanden um uns für die bevorstehende Stadtrundfahrt fertig zu machen. Mit dem Auto wurden alle von ihren Gastfamilien zum gemeinsamen Treffpunkt gefahren. Von dort aus fuhren wir mit dem Bus durch die Londoner Innenstadt. Neben vielen sehenswerten Gebäuden betrachteten wir den Buckingham Palace etwas genauer, wobei wir uns den „Gardewechsel“ ansehen konnten, und die Towerbridge, wo wir die Gelegenheit hatten Bilder zu machen.

Nachdem wir etwas gegessen haben, waren wir zwei Stunden im Tower of London und haben die berühmten Kronjuwelen bestaunt. Nach diesem Ereignis hatten wir etwas Zeit für uns und haben einen eigenen kleinen Rundgang durch London gemacht. Später hat uns der Bus zum Theaterhaus gefahren, in welchem wir uns das Musical „Thriller“ angeguckt haben.

Inzwischen ist es 23:00 Uhr und wir sitzen in Carlines Auto, müde und mit schmerzenden Füßen. Meine restlichen Pläne für heute: der direkte Marsch ins Bett.

                                                                                                          Daily log 3 – Thursday

Unser Tag startete wie gewöhnlich: aufstehen, anziehen, Haare glätten, schminken – und das mit einem einzigen Spiegel in den Maßen 20x30cm – frühstücken und das Haus verlassen gegen 7:45 Uhr. Der heutige Tag beginnt mit einer historischen Führung durch das „Globe Theatre“, der Urstätte Shakespeares, und einer Besichtigung der dazugehörigen Ausstellung. Nach dieser werden wir dann einige Zeit haben, um unseren Nachmittag frei zu gestalten und unsere Stadterkundung fortzusetzen. Logischerweise planen die meisten Mädchen eine ausgedehnte Shoppingtour und die Jungs nehmen sich eine Besichtigung des Skateparks an der Themse vor.  Doch es wird uns auch die Option geboten, mit Herrn Fräbel in das „London Dungeon“ zu gehen. So haben Luise, Julia und ich schon im Voraus beschlossen, diese Chance zu nutzen und mit einigen anderen das Gruselkabinett zu besuchen. So werden wir nicht mehr viel Zeit haben, um einkaufen gehen zu können, doch morgen ist auch noch ein Tag…

Daily log 4 – Friday

Nach einem gruseligen und zugleich lustigen Donnerstag sind wir drei heute früh mit einem lachenden und einem weinenden Auge aufgewacht, denn dies würde unser letzter Tag sein, den wir in England verbringen würden.

Da wir am Vorabend noch die Koffer gepackt hatten, sind wir heute früh schnell fertig gewesen und konnten uns ein letztes Mal ausgiebig mit unserer Gastmutter Carline unterhalten. Als wir gegen 8:00 Uhr an unserem Treffpunkt angelangt waren und die letzten Minuten mit unseren Gastfamilien verbrachten, dachten wir schon ein erstes Mal an unsere schöne gemeinsame Zeit in England zurück. Doch die Vorfreude auf die tatsächlich letzten Stunden in London überwog dann schließlich, als wir in der Bahn Richtung „Charing Cross“ saßen. Wir hatten vier Stunden zur freien Verfügung und unsere Gruppe lief nach Verlassen der Bahn sofort zur berühmten „Oxford Street“, in der sich die Einkaufsläden zahllos aneinanderreihen.

Gegen 14:30 Uhr kamen wir also bepackt wie drei Esel zu unserem Treffpunkt: Die Fahrt nach Hause begann.

Nun ist es bereits 22:00 Uhr und ich weiß nicht genau, was passiert ist in der Zwischenzeit, denn ich bin als Einzige eingeschlafen, weshalb ich jetzt auch zu allem Übel den Spitznamen Dornröschen trage.

 

Liebes Tagebuch,                                                                     Samstag, 12. Juli – 10:40 Uhr

 

Vor circa zwei Stunden sind wir jetzt nun alle wieder zu Hause. Die restliche Fahrt war zwar anstrengend, wurde uns jedoch versüßt durch Zugaben wie Film gucken oder Würstchenpause… Wenn ich nun über den Verlauf und die Erlebnisse der vergangenen Woche nachdenke, freue ich mich und bin stolz, dass unser Jahrgang als erste neunte Klasse des PMGs nach England reisen durfte.

Es war nicht nur eine Studienfahrt, auch wirklich eine klassenübergreifende und –zusammenführende Reise mit vielen lohnenswerten Erfahrungen und bleibenden Eindrücken.

Nun kann auch jeder Einzelne getrost den Freunden widersprechen und London als wunderbares Ziel mit gutem Essen, historischen Denkmälern und wunderschönen Ausflugszielen für eine Klassenfahrt vorschlagen. 

   
© Philipp-Melanchthon-Gymnasium